Webraid's Blog » Smartphones und neue Medien in der Schule


Smartphones und neue Medien in der Schule

Gestern war eine interessante Diskussion bei Hartaberfair. Naja, ich möchte es korrekter ausdrücken: Eine Diskussion, die zeigt, dass viele reden, eigentlich nur einer Ahnung hat – Prof. Spitzer (Gehirnforscher) – aber die anderen eher die gesellschaftliche Meinung widerspiegeln.

Einige Teilnehmer hatten wirklich die Meinung, dass Kinder ab 8 Jahren programmieren erlernen sollten – und dies natürlich mit Smartphones und Tablets. Für alle verpflichtend. Unglaublich – überfordern wir die Kinder doch noch mehr, daran können auch Scratch und andere didaktische Umgebungen bzw. Programmiersprachen nichts ändern. Weiterhin wissen wir alle, dass wir auf Tablets/Smartphones ja so wunderbar programmieren können und die besten LOC schreiben.

Für Programmieren ist abstraktes, strukturiertes Denken notwendig. Das entwickelt sich erst nach und nach. Der einzige in der Runde, der hier etwas konstruktives einbringen konnte, war Prof. Spitzer und der wurde von Herrn Thelen als Skeptiker dargestellt. Natürlich können Kinder und Jugendliche das erlernen, aber es ist doch nicht notwendig, dass dies alle erlernen. Einige haben erstens nicht die Fähigkeiten dazu und zweitens interessiert es einige auch einfach nicht. Dies muss respektiert werden und erst Recht muss aufgepasst werden, dass nicht zahlreiche Unternehmen in die Schulen strömen und ihren Einfluss geltend machen.

Aber gut, denken wir die Meinung weiter. Wer bringt denn den Kindern und Jugendlichen diese so wichtige Kompetenz des Programmierens bei? Ja, ich höre es schon, die Standardantwort: Das muss die Schule übernehmen:

Also flächendeckender Informatikunterricht? Das wäre gut, das würde ich unterstützen, aber da würden Tablets und Smartphones nur temporär genutzt werden, weil sie für das Entwickeln informatischer Kompetenzen nicht notwendig sind.

Aber was soll denn die Schule noch alles übernehmen? Inklusion, Erziehung, Vermittlung von Kompetenzen in Geschichte, Sprachen, grundlegenden Wirtschaftsprozessen, Naturwissenschaften, Mathematik und natürlich auch eine musische Ausbildung – und das alles mit G8? Der Stundenplan ist voll, welches Fach sollte weichen? Jedes hat seinen Allgemeinbildungsanspruch.

Wer sollte es unterrichten? Viele Grundschullehramtstudierende scheitern im Studium an den Anforderungen der Mathematik. Allgemein ist auch der öffentliche Dienst für Strukturwissenschaftler nicht unbedingt reizvoll, in der Wirtschaft verdienen sie deutlich mehr. Man kann also nicht behaupten, dass zahlreiche Personen zur Verfügung ständen, die für diese Lehraufgabe infrage kommen. Und ob die aktuelle Generation allgemein gute Vorbilder bzgl. des Medienkonsums ist, wage ich auch zu bezweifeln.

Weniger ist mehr! Interesse wecken, Angebote machen, Alternativen aufzeigen. Ein Jugendlicher, der Interesse für diesen Bereich hat, kann in der Oberstufe Informatik wählen und an vielen Schulen auch ab der 8.Klasse ein Neigungsfach. Die Schule kann und muss nicht alles abdecken, es gibt auch noch Hobbies.
Die Wirtschaft muss verdeutlichen, dass Programmieren eine wichtige Kompetenz der Zukunft ist, aber diese müssen nicht alle erlernen.

Ebenso wird bei diesen ganzen Diskussionen vergessen, dass es genügend Beispiele gibt, die deutlich aufzeigen, dass eine frühe Auseinandersetzung/Konfrontation mit dem Thema Programmieren nicht notwendig ist. Den heutigen, guten Entwickler wurde merkwürdigerweise nicht ab 8 Jahren ein Tablet vor die Nase gesetzt. Wie konnten z.B. The Woz und Larry Page programmieren lernen, wenn sie in ihrer Kindheit schon so benachteiligt waren, da sie sich „zu spät“ mit dem Thema beschäftigten?

Nein, jeder Tag, an dem ein Kind draußen im Wald rumläuft, reitet, Fußball spielt und die Welt tatsächlich aktiv erlebt und begreift, ist ein gewonnener Tag. Die Tage, in denen es vor der Playstation oder dem Smartphone (sorry, natürlich beides parallel) hockt, kommen noch früh genug.
In diesem Sinne lieber Leser: Geh‘ mal wieder raus!

Die Tags , , , , , , , , , wurden benutzt.