Allgemein and Schule/Bildung 26 Sep 2011 19:17 pm

So langsam werden für Lehrer die neuen Stellenangebote (für NRW ) veröffentlicht. Es handelt sich hier um sogenannte schulscharfe Einstellungen, was nichts anderes bedeutet als dass die Schule sich den Lehrer aussuchen darf. Also prinzipiell genau wie in der freien Wirtschaft.

Das kann für beide Seite Vorteile haben. Der Lehrer kommt an eine Schule, deren Werte oder ähnliches er vertritt und auch für die Schule selbst ist es eine gute Sache, denn sie kann aus den eventuell vielen Bewerbungen auswählen.

Aber was tun, wenn sich einfach keine Lehrer bewerben? Die Schule benötigt vielleicht ein Mangelfach wie Mathematik, Physik, Chemie, Informatik oder auch Latein?

Die Lösung der Landesregierungen in Deutschland (ja, seien wir doch ehrlich, es sind sehr selten die Schulen, die dies absichtlich machen.) ist derart perfekt, dass sogar vielleicht die freie Wirtschaft davon lernen kann: Sie stellen einfach Menschen ein, die die Anforderungen nicht erfüllen.
So kommen die Seiteneinsteiger zu ihren Stellen. Und auch die OBAS sollte man hier nicht vergessen. Sie absolvieren das Referendariat, aber sind prinzipiell doch immer noch für den Lehrerberuf inkompetenter als ihre auf den Lehrerberuf studierten Mitreferendare.

Um es ganz deutlich zu machen: Dieses Faktum liegt nicht an den Persönlichkeiten dieser Menschen, sondern einfach an ihrer Ausbildung. Ich bewerbe mich auch nicht auf eine Elektrikerstelle. Ebenso mache ich keine 2 jährige Ausbildung als Jurist und bin damit kompetent.

Obwohl diese Seiteneinsteiger und OBAS durch schlechteren Unterricht als Täter rüberkommen, sind sie es in Wirklichkeit nicht. Besonders die OBAS haben während ihres Referendariats zu Recht (weil sie eben keine Ahnung von Erziehungswissenschaft und Schule haben) einiges mit ihrer Inkompetenz zu tun. Aber wir erinnern uns an die Standardsprüche: Erklären kann ich, also kann ich doch auch Lehrer sein.

Der wahre Täter ist derjenige, der das ganze erlaubt. Wir brauchen uns nur mal eben bei Leo (vgl. oben) die aktuellen Stellenauschreibungen für Mathematik Gymnasium anschauen. Von 5 Stellen erlauben 4 Seiteneinsteiger. Nur eine ist für solche geschlossen. Da geht es um einen guten, qualitätsorientierten Mathematikunterricht sowohl in der Oberstufe als auch in der Sekundarstufe I. Ein trauriges Bild NRW – traurig, traurig.

Insgesamt muss man sich manchmal wirklich die Frage stellen warum man überhaupt Lehramt für Gymnasien im Mathematik studiert hat. Da kann doch jeder kommen! Und zwar von beiden Seiten. Der Diplommathematiker, der von Mathe bestimmt 60% mehr Ahnung hat als ich, aber eben von Erziehungswissenschaft 0% und aber auch der YXZ, der in seinem Beruf einfach keine Stellung findet und daher mal Lehrer werden will. Ich bilde mir ein, dass ich nach sechs Jahren hauptsächlichen Umgang mit Bachelor/Master/Diplom Mathematikern die durchschnittlichen Fähigkeiten dieser mit Kindern und Jugendlichen sehr gut einschätzen kann. Und sie selbst wissen es auch, denn klug und reflexiv sind die meisten. Es wird einen Grund gehabt haben warum sie nicht Lehramt studiert haben!

Letzteres kann und will ich nicht für unsere Landesregierung unterschreiben. Die Qualität in vielen Fächern ist durch solche Stellenauschreibungen gefährdet. Da wird eine Qualitätsanalyse eingeführt, die Millionen kostet und prüft ob kooperative Methoden durchgeführt werden. Diese sind wichtig – keine Frage, aber erstmal sollte die Eignung der Lehrer kritisch hinterfragt werden.

Ich persönlich fordere: Nein zu Seiteneinsteigern, Nein zu fachfremden Lehrern! Unsere Kinder haben mehr verdient. Der Mangel muss offensichtlich gemacht werden. Kein geeigneter Lehrer an der Schule – dann muss das Fach ausfallen. Dies hört sich hart an, aber nur so wird die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt. Der andere Weg ist Augenwischerei und verschleiert nur das Problem! Welches Elternteil weiß denn bitte, dass der Mathelehrer von seinem Kind gar kein echter studierter Mathelehrer ist?

Macht den Lehrerberuf attraktiver. Es gibt genug junge Menschen, die Spaß am unterrichten haben. Auch in den Mangelfächern!



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